Informationsfreiheit selbst gebastelt in 7 einfachen Schritten

Immer wieder und immer mehr komme ich mir von etablierten Medien veralbert vor. Sei es Fernsehen, Zeitschrift oder Facebook. Aus welchen Gründen auch immer.

 

"Es ist doch erstaunlich, dass jeden Tag genau so viel passiert, wie in eine Zeitung passt" (Karl Valentin)

 

Was also tun? Wie finde ich mit wenig Zeitaufwand Informationen, die relevant sind? Egal ob aktuell oder Zeitlos?

Eine einfache und klassische Antwort heißt: Bücher. Oft hat ein Autor mehrere Jahre damit verbracht, ein Jahrzehnt oder mehr Erfahrung in einem Buch aufzubereiten.  Bücher sind die preiswerteste Art, sich in ein Thema zu vertiefen. Wenn Du ähnlich tickst, wie ich, ist einer der interessantesten Ort, solche Bücher zu finden, Dein eigenes Bücherregal. Da könnte noch das eine oder andere ungelesene höchst spannende Buch stehen.

 

Schritt 1: Informationsdiät nach Timothy Ferriss

Timothy Ferriss' Informationsdiät ist einfach: Er schafft für sich den Fernseher ab, die Zeitungen, die Zeitschriften. Mails liest er einmal die Woche. 

Was bleibt ihm dann? Viel Zeit, einer der interessantesten Menschen zu werden, die ich kenne.

Ganz so extrem bin ich nicht. Einen Fernseher habe ich absichtlich nie besessen. Meine Zeitschriftenabos habe ich erst gekündigt, als ich anders mein eigenes Buch nicht fertig bekommen hätte. Bei Mails und sozialen Medien bin ich bei weitem nicht so konsequent, wie Timothy Ferriss.

Dennoch: um wirklich gute Information zu bekommen und auch als solche zu erkennen, braucht es erst einmal Freiheit von Informationen. Im Sinne von: befreit sein von überflüssigen Informationen, über die andere bestimmen.

Erwähnte ich schon, dass Du die gewonnene Freiheit nutzen könntest ein Buch zu lesen? Das Buch, in dem Timothy Ferris seine Informationsdiät beschreibt (und viel anderes) heißt "Die vier Stunden Arbeitswoche".

 

Schritt 2: Sei Teil mehrerer sehr unterschiedlicher sozialer Gruppen

Mit der Informationsdiät und dem sehr einfachen Weg, Dir Deine eigenen Nachrichten zusammenzustellen, den ich weiter hinten vorstelle, besteht die Gefahr, immer wieder nur über die gleichen Themen zu reden und nachzudenken. Es fehlt der Sozialabgleich. Freiheit ist viel einfacher, wenn Du immer wieder mit neuen Ideen in Berührung kommst, wenn Du gefordert wirst.

Suche Dir mindestens 3 soziale Gruppen außerhalb Deiner Familie, mit denen Du Dich regelmäßig austauschst.

Sollte Dein Partner den selben Beruf haben wie Du oder in der selben Firma arbeiten, zählt Dein Beruf nicht als eigene soziale Gruppe in diesem Sinne. Solltest Du Mutter sein, zählt die Müttergruppe nicht als eigene soziale Grupe in diesem Sinne. Das gilt für alle sozialen Gruppen, in denen Du nur an zwei verschieden Orten mit der selben Art von Menschen über ähnliche Themen redest.

 

Schritt 3: Suche Dir Menschen mit Feuer

Es gibt eines, das besser ist, als aus Büchern zu lernen: Direkt von Menschen, die Feuer für ihr Thema verspüren. Menschen, bei denen Du bemerkst, dass sie aufleben, wenn sie über ihr Thema reden. Von diesen Menschen kannst Du am meisten lernen lernen, sie als Coach oder Mentor nehmen. Vielleicht geben sie auch Seminare.
 
Ich bevorzuge Seminare oder Workshops vor Online-Veranstaltungen oder Videoaufzeichnungen. Deine Wahrnehmung wird geschärft. Du spürst die Energie. Du nutzt alle Sinne. Du hast die Freiheit, Dich einige Stunden um alles andere nicht zu kümmern.
 
Diese Seminare oder auch nur Treffen kommen mit einem Preis. Sowohl Reisekosten, als auch Seminarkosten als auch, dass Du oft Zeit und Ort nur sehr eingeschränkt wählen kannst. Der Wert rechtfertigt diesen Preis oft.
 
Das Lernen von Menschen mit Feuer und das Lesen gute Bücher ergänzt sich hervorragend.
 
Wenn Du begonnen hast, von Menschen zu lernen und Bücher zu lesen, erinnere Dich daran, wozu Du das machst: Beginne damit, Dinge zu erschaffen und für Dich und andere Erfahrungen zu gestalten.
 

Schritt 4: Facebook und seine Algorithmen

Viele Menschen, die Facebook seit längerem nutzen, finden Facebook immer schlechter. Und ich rede hier vom schlechterem Spaßfaktor, weniger Interessantheit und nicht von Themen wie Sicherheit oder Privatsphäre oder Trollen.

Woher kommt das? Wie wird Facebook uninteressanter?

Facebook hat den Prozentsatz von Personen, die einen publizierten Artikel einer Seite sehen, in den letzten Jahren immer weiter gesenkt. Inzwischen siehst Du, wenn Du eine Seite geliked hast, unter 10% der Artikel dieser Seite. Facebook macht das, um reich zu werden. Das Geschäftsmodell von Facebook besteht darin, sich für Sichtbarkeit bezahlen zu lassen. Du siehst also nur dann mehr als 10% der Artikel einer Facebook-Seite, wenn der Betreiber dieser Seite dafür bezahlt. Das werden in der Regel Seiten sein, die dem Betreiber mehr nützen als Dir. Ja es gibt viele Seiten, die nur für Dich sind. Nur sind diese für Dich in Facebook vergleichsweise unsichtbar, weil es sich der Betreiber nicht leisten kann, Facebook dafür zu bezahlen, dass Du es siehst.

Dieser Abschnitt ist weder eine Aufforderung, Facebook zu nutzen, noch Facebook nicht zu nutzen. Er ist dazu da, dass Du weißt, wo Dir Facebook etwas nützt und wo nicht. Beim Thema Informationsfreiheit nützt Dir Facebook recht wenig, da kannst Du liken, was Du willst. 

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Unter Deinen Freunden gibt es welche, die ab und zu sehr spannende Links posten. Du kannst diese besonderen Freunde in Facebook als enge Freunde markieren, um alles zu sehen, was sie teilen. Schaue Dir die Quellen dieser interessanten Freunde genauer an. Die Möglichkeit, alle Artikel zu sehen, gibt es bei Facebook-Seiten nicht, nur bei Facebook-Profilen.

Wenn Du auf Facebook interessante Seiten findest, folge ihnen außerhalb Facebook, wenn Du nicht nur 10% der Artikel sehen willst. Wie das ganz einfach geht, kommt weiter hinten.

 

Schritt 5: Der Wert entfernter Freunde

Nahe Freunde sind etwas wundervolles. Pflege diese Freundschaften.

Allerdings: nahen Freunden stehen normalerweise nur die Informationen zu Verfügung, die Du selbst auch hast. Der Wert entfernter Freunde, mit denen Du nur selten Kontakt hast, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, um mit Ideen in Kontakt zu kommen, die Dir sonst nicht zur Verfügung stünden.

Für Deine persönliche Informationsfreiheit: Wertschätze interessante entfernte Freunde.

 

Schritt 6: Die interessantesten Quellen publizieren wenig.

Web-Browser, Apps, große Internetauftritte sind so gestaltet, dass es anstrengend ist, nacheinander viele Webseiten aufzusuchen, um Dir selbst interessantes oder wichtiges zusammen zu stellen. Und wenn eine dieser Seiten eine Woche nichts neues publiziert hat, oder Du gerade abgelenkt bist, wirst Du bald nicht mehr nachsehen. 

Das führt dazu, dass Du immer wieder dieselben großen Portale ansiehst, die dann bestimmen, über welche Themen Du mit welchen Begriffen nachdenkst. Und schon hast Du Deine Informationsfreiheit verloren.

Richtig interessante Seiten publizieren oft nur dann etwas, wenn es etwas zu sagen gibt und nur zu dem Thema, in dem sie sich auskennen, das ihnen wichtig ist. Und sie publizieren oft nichts, wenn es gerade nichts zu sagen gibt. Viele solche Seiten sind von Einzelpersonen oder kleine Gruppen, die sich richtig Arbeit machen und eben nur einmal die Woche einen Artikel schreiben, in den sie mehrere Stunden Arbeit stecken.

Du findest solche Seiten zufällig. Du findest solche Seiten, weil interessante Freunde ihre Artikel in Facebook teilen. Du findest solche Seiten überhaupt durch Quellenangaben.

Das schöne: Du brauchst solche Seiten nur ein einziges Mal zu finden, fügst sie deinem eigenen komfortablen Newsportal hinzu (Siehe Schritt 7). Und siehst, wenn sie nach einer Woche wieder etwas publiziert, ohne dass es Dich Zeit kostet, nachzusehen, wenn sie gerade nichts publiziert.

 

Schritt 7: Gerettet durch RSS

Die Idee zu RSS ist alt, gemessen am Alter des Web:

Wie wäre es, wenn jede Webseite ihre Artikel in einem standardisierte Format ihre Artikel zur Verfügung stellt, so dass Du sie selbst auf einer eigenen Seite - eventuell strukturiert nach Deinen eigenen Kategorien - auf einmal überblicken kannst, ohne all die Seiten ansurfen zu müssen?

Genau das gibt es seit Anfang 2000 und nennt sich RSS.

Du erkennst RSS auf den einzelnen Webseiten oft an einem dieser Symbole in der Farbe orange:

Der Einfachheit halber empfehle ich Dir, mit Feedly zu beginnen. Ich nutze derzeit nur Feedly für diesen Zweck. Feedly gibt es als Webseite und als App für alle gängigen Smartphones. Wenn Du einige Artikel am Computer im Browser als gelesen markiert hast und Feedly am nächsten Tag im Smartphone aufrifst, kannst Du genau dort weitermachen, wo Du aufgehört hast.

Es gibt kein Monopol, darauf, mit welchem Programm Du diese Information zusammenfasst, weil das Format standardisiert ist. Feedly ist bei weitem nicht der einzige Service, der das kann. Hier hast Du Freiheit. Ich empfehle Feedly, weil es einfach und komfortabel ist. Und weil ich es Dir einfach machen will, RSS jetzt auszuproberen.

Wenn Du eine interessante Seite findest, kannst Du den RSS-Link auf der Webseite kopieren, in Feedly einfügen, Deiner eigenen Kategorie zuweisen. Und sobald die Webseite einen neuen Artikel veröffentlicht, findest Du ihn in Deiner Kategorie zwischen den Artikeln anderer Webseiten, die Du serseben kategorie zugewiesen hast. 

Solltest Du eine eigene Webseite betreiben: schalte RSS ein. Jede auch nur ansatzweise aktuelle Web-Software bringt RSS von Haus aus mit und RSS muss nur noch eingeschaltet werden. Maximal muss ein fertiges Plugin oder Modul installiert werden, das diese Aufgabe übernimmt. Du kannst dadurch Teil vieler persönlicher Portale werden.

Jede Webseite des Autors stellt RSS zur Verfügung.

Übungsaufgabe:

  1. Gehe auf die interessanteste spezialisierte Webseite, die Du kennst (kein großes Portal), suche das RSS-Symbol. (Wenn Dir gerade keine interessante Webseite einfällt, kannst Du beispielsweise auf ZeroHedge suchen)
  2. Melde Dich auf Feedly an.
  3. Füge den rss-Link aus 1. bei Feedly ein.

Wenn Du mal auf einer Webseite den RSS-Feed nicht findest, kann es trotzdem sein, dass es ihn gibt. Dann kannst Du in Feedly nach dem Namen der Webseite suchen. Die wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Feedly-Anwender die den RSS-Feed schon früher mal gefunden hat, ist groß.

 

8. Bonus: sei neugierig

Genug gesagt.

 

 

 

 

 

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